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Artur Brauner

Biografie

Artur Brauner gehört zu jenen deutschen Filmproduzenten, die über 60 Jahre deutsche Filmgeschichte mitbestimmt haben. Er steht als Symbol für den deutschen Unterhaltungsfilm der 50er und 60er Jahre und ist zugleich Produzent einiger der wichtigsten westdeutschen Produktionen zur jüngsten deutschen Geschichte.

 1918 als Sohn eines Holzgroßhändlers in Lodz geboren, machte er dort sein Abitur. Danach studierte er am Polytechnikum bis zum deutschen Überfall auf Polen. Mit seinen Eltern und vier Geschwistern flüchtete er in die Sowjetunion, wo er unerkannt überlebte. Er hatte 49 jüdische Verwandte durch die Nazis verloren, seine Eltern und drei seiner vier Geschwister wanderten nach Israel aus.

 Schon vor dem Krieg ist Artur Brauner ein großer Filmfan, der nach dem Krieg die Gelegenheit nutzt. Nach vorübergehenden Plänen, in die USA auszuwandern, beantragt er und erhält eine Lizenz und gründet am 16. September 1946 die Berliner CCC (Central Cinema Company) Film Gesellschaft mbH. Einer seiner ersten Filme der neuen Produktionsfirma wird MORITURI (1948) in der Regie von Eugen York mit Hilde Körber und Winnie Markus. Er setzt sich mit jüngster deutscher Geschichte auseinander und verarbeitet eigene Erlebnisse. Der Film wird jedoch ein kommerzieller Misserfolg.

 

 

 1949 erwirbt der Produzent im Norden von Berlin ein 35.000 qm großes Gelände einer ehemaligen Giftgasfabrik. In Spandau-Haselhorst baut er seine Filmstudios auf. In den folgenden Jahren setzte Brauner deshalb mehr auf Unterhaltungsfilme, die meist dem Publikumsgeschmack entsprachen. Große Erfolge konnte er in den 50er und 60er Jahren mit den Dr. Mabuse-Produktionen und Filmen nach Bryan Edgar Wallace und Karl May verzeichnen. In dieser Zeit gehört das CCC-Atelier zu den besten europäischen Standorten, in denen bis heute über 700 Filme produziert worden sind. Etwa 200 der Filme sind Eigenproduktionen der CCC. Die ersten Dreharbeiten in neuerrichteten Studio finden für MAHARADSCHA WIDER WILLEN (1950) mit Olga Tschechowa statt.

In den CCC-Studios drehen junge deutsche Filmstars wie Romy Schneider in MÄDCHEN IN UNIFORM (1958). Auch den letzten Film von Romy Schneider DIE SPAZIERGÄNGERIN VON SANC SOUCI (1991) mit Michel Piccoli produziert Artur Brauner. Dazwischen liegen zahlreiche Kommerzfilme, mit denen Artur Brauer Millionen von Zuschauern in die Kinos lockt. Filmstar wie O. W. Fischer, Maria Schell, Sonja Ziemann oder Gert Fröbe gehen in den Studios ein und aus.

 Artur Brauner setzt sein Kapital, welches er mit dem Unterhaltungskino verdient, in Filmprojekte ein, die ihm aufgrund seiner persönlichen Geschichte stark am Herzen liegen. Er produziert u. a. DIE WEIßE ROSE (1982) unter der Regie von Michael Verhoeven mit Lena Stolze als Sophie Scholl. Sein HITLERJUNGE SALOMON (1990) mit Marco Hofschneider und Julie Delpy in den Hauptrollen gewinnt den Golden Globe und erhält eine Oscar-Nominierung für das beste Drehbuch. Für den Oscar als bester nichtenglisch-sprachiger Film darf HITLERJUNGE SALOMON nicht ins Rennen gehen, weil ihn die deutsche Auswahlkommission nicht nominiert. Dabei gilt der Golden Globe als sicherer Gradmesser für einen Oscar-Gewinn. HANUSSEN (1988) steht genauso auf seiner Produktionsliste wie BABIJ JAR (2003), ein Film über das Massaker an etwa 33.000 Juden bei Kiew. Seine Produktion „Der letzte Zug” (2006) unter der Regie von Joseph Vilsmaier und Dana Vávrová handelt von einer kleinen Gruppe Juden, die in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs in einem Viehwaggon eines „Sonderzugs„ zusammengepfercht und wie tausende andere jüdische Menschen von Berlin Grunewald nach Auschwitz verschleppt werden. Es folgten die Produktionen WUNDERKINDER (2011) und AUF DAS LEBEN! (2014), die größtenteils von seiner Tochter, Alice Brauner, produziert wurden.

Artur Brauner hat mehr als 250 Filme produziert. Er ist prominentes Mitglied der Jüdischen Gemeinde in Berlin und Träger des Bundesverdienstkreuzes. 2003 erhält Artur Brauner auf der Berlinale die Berliner Kamera, eine Auszeichnung für das Lebenswerk von Filmpersönlichkeiten. Er hat zahlreiche Preise erhalten, darunter zwei Golden Globes. Als Co-Produzent erhält er einen Oscar für die deutsch-italienische Produktion DER GARTEN DER FINZI CONTINI (1970).

Artur Brauner heiratete 1947 Theresa Albert, genannt Maria. Er ist seit 2017 verwitwet und ist Vater von vier Kindern. Er lebt und arbeitet in Berlin.

Im September 2016 feierte die CCC Film ihr 70jähriges Bestehen und ist damit das älteste, noch aktive produzierende, unabhängige Filmunternehmen Deutschlands.

Filmografie (Auswahl)

1948: Morituri
1949: Mädchen hinter Gittern
1950: Maharadscha wider Willen
1951: Sündige Grenze
1952: Der keusche Lebemann
1953: Hollandmädel
1954: Große Star-Parade
1955: Liebe, Tanz und 1000 Schlager (mit Caterina Valente und Peter Alexander)
1956: Du bist Musik
1957: Die Unschuld vom Lande
1958: Wehe, wenn sie losgelassen
1958: Mädchen in Uniform
1959: Der Tiger von Eschnapur – Regie: Fritz Lang
1959: Das indische Grabmal – Regie: Fritz Lang
1960: Der brave Soldat Schwejk – Regie: Axel von Ambesser (mit Heinz Rühmann)
1960: Die 1000 Augen des Dr. Mabuse – Regie: Fritz Lang (mit Gert Fröbe)
1961: Willy auf Sondermission
1961: Via Mala (mit Gert Fröbe und Edith Schultze-Westrum))
1961: Im Stahlnetz des Dr. Mabuse – Regie: Harald Reinl (mit Lex Barker)
1962: Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse – Regie: Harald Reinl (mit Lex Barker und Karin Dor)
1962: Das Geheimnis der schwarzen Koffer
1962: Im Schatten einer Nacht
1962: Der Tod fährt mit
1962: Das Ungeheuer von London-City
1962: Das Testament des Dr. Mabuse
1962: Der Fluch der gelben Schlange
1962: Sherlock Holmes und das Halsband des Todes
1963: Old Shatterhand
1963: Der Würger von Schloss Blackmoor
1963: Scotland Yard jagt Dr. Mabuse
1963: Der Henker von London
1964: Das Phantom von Soho
1964: Das 7. Opfer
1964: Die Todesstrahlen des Dr. Mabuse
1964: Der Schut (1964)
1964: Fanny Hill – Memoiren eines Freudenmädchens – Regie: Russ Meyer
1965: Der Schatz der Azteken
1965: Durchs wilde Kurdistan (1965)
1965: Die Pyramide des Sonnengottes
1965: Im Reiche des silbernen Löwen (1965)
1966: Die Nibelungen 1 – Siegfried – Regie: Harald Reinl (mit Uwe Beyer)
1967: Die Nibelungen 2 – Kriemhilds Rache – Regie: Harald Reinl
1967: Geheimnisse in goldenen Nylons
1968: Winnetou und Shatterhand im Tal der Toten (1968)
1968: Kampf um Rom 1 – Regie: Robert Siodmak (mit Orson Welles)
1968: Kampf um Rom 2
1969: Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe
1970: Black Beauty
1970: Vampyros Lesbos – Erbin des Dracula – Regie: Jess Franco
1970: Sie Tötete in Ekstase – Regie: Jess Franco
1971: Der Todesrächer von Soho – Regie: Jess Franco
1971: Der Teufel kam aus Akasava – Regie: Jess Franco
1971: X 312 – Flug zur Hölle – Regie: Jess Franco
1972: Das Geheimnis des gelben Grabes
1972: Dr. M schlägt zu – Regie: Jess Franco
1974: Ein Unbekannter rechnet ab
1983: S. A. S. Malko – Im Auftrag des Pentagon
1983: Eine Liebe in Deutschland
1983: Blutiger Schnee
1987: Hanussen – Regie: István Szabó (mit Klaus Maria Brandauer und Erland Josephsson)
1990: Hitlerjunge Salomon – Regie: Agnieszka Holland (mit Marco Hofschneider und Julie Delpy)
1996: Von Hölle zu Hölle
2002: Babij Jar – das vergessene Verbrechen (mit Michael Degen und Axel Milberg)
2006: Der letzte Zug – Regie: Joseph Vilsmaier (mit Gedeon Burkhard und Sibel Kekilli)

Auszeichnungen (Auswahl)

1961: Bambi für Die Ratten
1963: Zürcher Filmpreis für Die Ehe des Herrn Mississippi
1965: Goldene Leinwand für Old Shatterhand
1965: Goldene Leinwand für Der Schut
1967: Goldene Leinwand für Die Nibelungen
1970: Goldener Bär für Der Garten der Finzi Contini
1972: Oscar (Bester nicht englisch-sprachiger Film) für Der Garten der Finzi Contini
1983: IFF Gijon: 3. Preis für Nach Mitternacht
1983: Deutscher Filmpreis: Filmband in Silber für Die weiße Rose
1985: Oscar-Nominierung für Bittere Ernte
1990: Deutscher Filmpreis: Filmband in Gold für langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film
1992: Golden Globe für Hitlerjunge Salomon
1993: Bundesverdienstkreuz I. Klasse
1996: DIVA-Award (gemeinsam mit Franz Seitz)
1996: Scharlih-Preis, die bekannteste Auszeichnung, die mit dem Namen Karl May verbunden ist
2003: Goldene Kamera
2010: Stern auf dem Boulevard der Stars in Berlin
2012: Ehrenmitgliedschaft in der Produzentenallianz

Literatur

Artur Brauner: “Mich gibt’s nur einmal” München, Berlin, (Herbig, 1976)
Claudia Dillmann-Kühn: „Artur Brauner und die CCC”, (erschienen in der Schriftenreihe des Deutschen Filmmuseums Frankfurt am Main, 1990)